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Historisches
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Es freut uns, Sie an historisch
interessanter Stelle, den Kellergewölben im Kaßberg
begrüßen zu dürfen. Diese Gewölbe entstanden vermutlich im
beginnenden 16. Jahrhundert und wurden in der Amtszeit des
Bürgermeisters Dr. Georgius Agricola nach 1536
weitergeführt.
Die Keller dienten als Lagerkeller für das damals
hergestellte schwere, untergärige Lagerbier. Links der
Bierbrücke (an der Stirnseite der Markthalle d. Red.),
unter der Kaßbergauffahrt, auf dem Grundstück der
Fabrikstraße 6 sind die ältesten und gut erhaltenen
Gewölbe zu sehen und zu begehen.
Nach 1778 verliert sich die Bedeutung für die Bierlagerung
und eine weitere Nutzung ist historisch nicht belegt.
Mit der Befestigung des Kaßberges 1869/70, dem Bau der
Kaßbergauffahrt und dem Neubau der Bierbrücke, gewinnt ein
neuer Abschnitt für die Nutzung der Kellergewölbe an
Bedeutung. Der Chemnitzer Kaufmann und Weinhändler R.
Voigtmann baute vor die Futtermauern des Kaßberges auf dem
Grundstück Fabrikstraße 6 ein Gebäude für eine
Weinkellerei. Auf dem Grundstück darüber entstand als
Kontor die Kaßbergbastei, die nach dem Tod des Besitzers
um 1904 als Gaststätte genutzt wurde.
Die Kaßbergbastei war für das Stadtbild des ausgehenden
19. Jahrhunderts ein prägendes, sehr imposantes Gebäude in
einem wunderschönen Fachwerkbau ausgeführt. Sie ist heute
nur noch in Teilen der Grundmauern vorhanden.
Die Weinkellerei wurde zunächst durch Eugen & Rudolph
Voigtländer nach 1893 als Bergkellerei Klemm & Fischer und
durch den Weinhändler Josef Singer betrieben. In der
Nachbarschaft der Fabrikstraße 6 befanden sich weitere
Wein- und Bierkeller. Hinweise darauf fanden wir in alten
Adressbüchern.
Von 1934 bis 1938 erfolgte der Umbau der Kellergewölbe zu
Luftschutzkellern, in deren Räumen mehrere hundert
Chemnitzer den Bombenangriff im März 1945 überlebten. Seit
1945 ist keine gewerbliche Nutzung
nachweisbar und ab ca. 1974 verfiel das Gebäude zu einer
Ruine.
Im Oktober 1999 wurde mit der Sanierung des Gebäudes und
der dahinter liegenden Kellergänge der Fabrikstraße 6
durch Schliwa´s Weinhandlung begonnen. Nach einer ca.
8-monatigen Bauzeit waren die Arbeiten beendet und im Mai
des Jahres 2000 eröffnete Schliwa´s Weinhandlung im alten
neuen Ambiente.
Seitdem stehen wir als Weinfachhandel mit Ausschank und
einem kleinen Speisenangebot für Weindegustationen,
Weinlagerungen (auch in separaten Räumlichkeiten) und im
Sommer mit unserem Weingarten zu Ihrer Verfügung.

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Wir danken Herrn Schliwa für die
redaktionelle Unterstützung und hoffen, noch mehr
Interessantes von ihm über die Gewölbe des Kaßbergs zu
erfahren. |

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Die Historie von Chemnitz |
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Quelle: Chronik der Stadt Chemnitz
von 1855; Nachdruck 1997 von H. Weber |
Wie alles begann...
| I. |
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Ursprung von Chemnitz, Einwanderung der Sorbenwenden,
deren Unterjochung durch die Franken und Deutschen. |
Der Ursprung der Stadt Chemnitz ist
in ein leider undurchdringliches Dunkel gehüllt, welches
wohl nie ganz gelichtet werden dürfte.
Der Name Chemnitz ist höchstwahrscheinlich
sorbenwendischen Ursprungs, das Wort Kamen heißt in dieser
Sprache Stein, Steinbruch und Kamenate, eine steinige Burg
oder Wohnung und hiervon oder von der sehr steinigen
Gegend mag es seinen Namen erhalten haben, die ersten
Schreibarten für Chemnitz sind Kamenicz, Kamenz, Kempnitz,
Kemnitz und mehrere andere.
Im 5. und 6. Jahrhundert nach Christo drangen die
Sorbenwenden, ein slawischer Volksstamm von Polen und
Ungarn her in die verlassenen Wohnsitze der Hermunduren,
der ältesten und bekanntesten Bewohner des Erzgebirges.
Die Sorbenwenden sind die Urväter unserer erzgebirgischen
Bevölkerung und die Begründer unserer ersten Dörfer und
Städte.
Dieselben waren ein rohes Nomadenvolk und lebte von Jagd,
Viehzucht und Raub, vermischten sich später mit den
Deutschen und Franken und wendeten sich mehr dem Ackerbau
zu.
Diese Vermischung entstand dadurch, dass die kriegerischen
Franken im sechsten Jahrhundert nach der Eroberung
Thüringens ihre Herrschaft und das Christenthum über die
Saale in´s Land der Sorben allmählich nach blutigen
Kämpfen, welche wohl 300 Jahre gedauert, ausbreiteten und
endlich die Sorben unterjochten.
Karl der Große demüthigte die Sorben das Erstemal, nachdem
die Sachsen nach einem dreißigjährigen Kampfe unterworfen
waren, sein Sohn Karl zog mit einem großen Heer über Eger
nach unserer Gegend, machte nach harten blutigen Kämpfen
die Sorbenfürsten Misito und Samelo tributpflichtig und
legte mehrere Festungen als Halle und Magdeburg an,
wodurch die sorbische und nordthüringische Mark gegründet
wurden, aus denen später die Mark, Osterland und
Ostthüringen entstand.
Der Ackerbau nahm nunmehr überhand und eine Menge von
Dörfern, deren Namen noch heute ihren sorbenwendischen
Ursprung bestätigen, mögen hierauf nach dem Gebirge zu
entstanden sein.
Die Sorbenwenden erbauten um diese Zeit am Fuße unseres
Erzgebirges keine Städte, vielmehr suchten sie in dem
ungeheuren Miriquidi-Walde, der von Pirna bis zur Gränze
von Bairen dieses Gebirge mit undurchdringlichen Waldungen
bedeckte, eine Zuflucht vor den fränkischen Drängern, die
ihnen Freiheit, ihre Götter, Sitten und Gebräuche rauben
wollten. Die altenburgischen Bewohner und die Landsleute
der Lommatzscher Pflege beurkunden ihre sorbenwendische
Abkunft am Besten.
Diesen Druck der Knechtschaft ertrugen die Sorbenwenden
nicht ohne WIderstand, sie machten unter Kaiser Ludwig I.
mehrmalige Befreiungsversuche, jedoch vergeblich; sie
verweigerten im Jahre 843 den Tribut, als das fränkische
Reich unter Ludwigs drei Söhne getheilt wurde und kämpften
vergeblich für ihre Unabhängigkeit bis zum Jahre 869, wo
sie als Vasallen unterworfen wurden.
Trotzdem geschahen immer neue Aufstände und diese wurden
von den Ungarn unterstützt, wobei fleißige Raubzüge in
Deutschlands Gauen unternommen wurden.

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II. |
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Gründung deutscher Kolonieorte
unter den Sorbenwenden, CHEMNITZ als Kolonieort,
Bekehrung derselben zum Christenthum, vewmeintliche
Erbauung der St. Jacobskirche und des Bergklosters,
Chemnitz ein Markgrafenthum.
Die Chemnitzer leisten dem Kaiser tapfere Heersdienste |
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Heinrich I., der Finkler genannt,
wurde im Jahre 919 zum König gewählt. Dieser schloß mit
den unruhigen Ungarn einen neunjährigen Waffen- stillstand
ab, und benutzte diese Zeit zur Anlegung von Städten und
Burgwarten in seinen Erblanden Thüringen und Sachsen,
ertheilte deren Vertheidigern besondere Privilegien und
legte somit in unseren Gegenden den Grund zum Städtewesen
und Bürgerstand.
Er unterwarf sich von 922 bis 929 die Abotriten, Heveller,
Redarier, die Lausitzer Wenden und Daleminzer, letztere
von der mittleren Elbe bis zum Chemnitzfluß und gründete
die Stadt und Markgrafschaft Meißen, drang in Böhmen ein
und zwang dessen Herzog Wenzeslav, sich als deutschen
Vasallen zu bekennen. Auf seinem Rückzuge vollendete er
die völlige Unterwerfung der hiesigen Sorben durch
Eroberung und Zerstörung ihrer letzten Festungen Githan
(Geithain), Chorin (Kohren) und Grunove (Grünau) und legte
zur Beschützung des Landes und um die besiegten Sorben im
Zaume zu halten, an mehreren geeigneten Orten Burgen an,
in welchen seine Burgvoigte oder Burggrafen zugleich die
Vertheidigung und Rechtspflege der dazu gehörigen Bezirke
handhabten. Unter diesen königlichen Beamten standen die
Vorsteher und Aeltesten der Gemeinden und deren von den
Burgvoigten erwählten Richter.
Diese Burgvoigte hatten deutsches Kriegsvolk zur eigenen
Sicherheit und zu den Burgen bei sich; auch andere
Ansiedlungen der Deutschen fanden statt, indem Heinrich
das gesammte nachherige Pleißnerland zu einem königlichen
Kammer- und Tafelland machte.
Mit diesem Pleißnerland bildete nun das Voigtland und das
östliche Thüringen das nachmalige Markgrafenthum
Osterland, in der Länge von Wettin nach Zörbig und in der
Breite von Naumburg bis Chemnitz.
Eine solche aus Heinrichs I. Zeiten herstammende
königliche Burgwarte war aller Wahrscheinlichkeit nach
auch unser Chemnitz, um welche sich nach und nach die
Wohnungen der Kolonisten anreihten.
Der eigentliche Platz dieses ersten Ursprungs von Chemnitz
ist nicht mehr zu bestimmen, mehrere führten als solchen
den Scharfrichterberg, auch Hüttemberg genannt an.
Im Jahre 933 brachen die Ungarn wiederum in Deutschland
ein und drangen nach Thüringen in zwei Haufen vor, indem
ihnen König Heinrich den Tribut verweigert hatte, da er
sich für stark genug hielt, um denselben die Spitze bieten
zu können. Die Sorbenwenden getrauten sich diesmal nicht,
ihren alten Bundesgenossen Hilfe zu leisten, auch hatte
die Verbindung und Vermischung der Deutschen mit den
Sorbenwenden sowie die zunehmende Zivilisation, Ackerbau
und Gewerbe den Stand der Dinge wesentlich verändert.
Heinrich schlug die Ungarn bei Merseburg dermaßen, dass
diese Gegenden für immer von diesen Quälgeistern befreit
blieben und starb am 2. Juli 936.
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Otto I., dieser
strebte dahin, die christliche Religion unter den
Sorbenwenden einzuführen, denn noch gab es beim Antritt
seiner Regierung Götzentempel und heilige Haine, die
abgesendeten christlichen Prediger verstanden nichts von
der sorbenwendischen Sprache und oft wurde bei den
Heidenbekehrungen das Schwerdt zu Hilfe genommen.
König Otto errichtete nun zu Magdeburg ein Seminarium zur
Bildung wendischer Prediger, aus denen mehrere brauchbare
Missionare hervorgingen. Er ließ überall Kirchen bauen,
errichtete Pfarreien und die Neubekehrten mußten zur
Unterhaltung der Geistlichen den zehnten Theil (decem)
ihrer Einkünfte an Vieh, Getreide, Obst, Honig, Wachs,
Leinwand und wenn sie Handel trieben, ebenfalls den
zehnten Theil vom Gewinn angeben; dies aber war natürlich
ein großes Hindernisder Bekehrungen, und viele Geistliche
verglichen sich deshalb auf einen geringeren Antheil ihrer
Bekehrten, wel-cher jedoch auch hier den Namen Zehnte
fortbehielt.
Eine dieser von Otto I. gestifteten Kirchen soll auch die
Hauptkirche zu St. Jacob in Chemnitz gewesen sein, zu
welcher 938 der Grundstein gelegt wurde., nebst einer
Münze darunter mit dem Bildniß des heiligen Jacob; diese
Kirche soll klein und von Holz, nicht wie jetzt von
Quadern ausgeführt gewesen sein, auch berichteten alte
Chroniken, dass in dieser Kirche ein wunderthätiges
Marienbild gewesen sei, zu welchem vornehmlich im Jahre
940 ein großer Zudrang stattgefunden habe, dieses Bild
soll 1389 mit verbrannt sein. Andere behaupten, dieses
Marienbild habe bei der Bergkirche (der jetzigen
Schloßkirche) gestanden, an deren Stelle auf dem mit
dichtem Walde bewachsenen Berge die Wohnung eines
Waldbruders oder Einsiedlers sich befunden haben soll.
Was nun die Stiftung des Bergklosters zu Ehren der
Jungfrau Maria betrifft, so mag wohl auch Otto dessen
Erbauer gewesen sein.
In diesem Jahre starb Otto I., sein
Sohn Otto II. übernahm die Regierung, hatte jedoch soviel
mit den Franzosen, Lothringern und Baiern zu thun, daß er
auf die inneren Angelegenheiten seines Landes weniger
Rücksicht nehmen konnte und die dem Christenthum abholden
Sorbenwenden manchen Befreiungsversuch wagten.
Über unser Chemnitz hören wir aus den Chroniken so wenig
oder Entstelltes, daß man annehmen kann, dasselbe sei um
diese Zeit noch keine Stadt, sondern höchstens ein Flecken
gewesen.
Erst im Jahre 1110 kommt der Name
unserer Stadt Chemnitz wieder zum Vorschein und zwar mit
ziemlichem Glanze, indem die Chemnitzer mit denen von
Zwickau und Kohren, unter Anführung des älteren Grafen
Wiprecht von Groitsch, Kaiser Heinrich V. gegen König
Boleslav von Polen zu Hilfe gezogen sein und durch ihre
Tapferkeit diesen Kaiser von schmählicher Gefangenschaft
gerettet haben sollen.
Urkundliche Bestätigung des
Daseins von Chemnitz, Gründung des Klosters und der
Jacobikirche, Erweiterung der Stadt, Kaiser Conrad
bestätigt das Kloster aufs Neue. Erbauung der St.
Johanniskirche.
Im Jahre 1125 wurde Lotharius II.
Kaiser, gründete ein reiches Benediktinerklosterbei der
Stadt Chemnitz, welches auf einem Berge gelegen, auch soll
er die St. Jacobskirche neu von Stein erbaut und dieselbe
dem Abt des Bergklosters untergeordnet haben.
Chemnitz soll von demselben Stadtgerechtigkeit empfangen
haben, und da es Eigenthum des Kaisers war, so wurde es
von Lothar zur Reichsstadt erhoben.
Auf Lotharius II. folgte Conrad III. Dieser bestätigte auf
einem Reichstage zu Zeitz das Chemnitzer Bergkloster auf´s
Neue und besetzte es statt den zeither darauf gewesenen
Canonices regulares wieder mit Benedictinern.
Auch soll in der Vorstadt vor dem Johannisthor die Kirche
zu St. Johannis von Kaiser Conrad III. im Jahre 1143
erbaut und dem heiligen Johannis dem Täufer gewidmet
worden sein. Eine lange Reihe von Jahren vergehen, ehe man
Chemnitz in historischen Urkunden wieder aufgeführt
findet, und erst unter dem deutschen Kaiser Ru-
von Habsburg kommt es wieder vor wo es im Jahre 1290 mit
Altenburg und Zwickau ein Schutz- und Trutzbündniß
abschließt gegen jeglichen Feind.
Diese Urkunde der drei Städte bietet noch
einen wichtigen Punkt hinsichtlich der öffentlichen
Angelegenheiten der Stadt Chemnitz dar, es heißt nehmlich:
„Stadtrichter und Rath solle den auf unbestimmte Zeit
verweisen, der sich dem Ausspruch der Schiedsrichter
widersetze.” Hierdurch nun ist die Existenz eines Raths
und eines Richters in unserem Chemnitz urkundlich zuerst
gesichert, doch wurden diese Richter gewöhnlich erst aus
dem Rathe entnommen
Bald nach Abschluss des Bundes der
drei Städte Altenburg, Zwickau und Chemnitz starb im Juli
1291 der Kaiser Rudolph von Habsburg und kamen diesselben
später mit dem südlichen Pleißnerlande in den Pfandbesitz
des böhmischen Königs Wenzeslav. Während dieser Zeit lagen
die Bürger von Chemnitz mit dem Bergkloster in Streit,
woran wohl nur die Habsucht der Mönche Schuld sein mochte;
die Chemnitzer ließen sich nichts gefallen und
verweigerten den Aebten auch alle Rechte, die denselben
über die geistlichen Verhältnisse von Chemnitz zustanden.
Dieser Streit wurde von Kaiser Adolph von Nassau
geschlichtet.
Im Jahre 1297 verpfändete Adolph von Nassau abermals das
Pleißnerland mit den Städten Altenburg, Zwickau und
Chemnitz an Böhmen, dieser fiel 1298 in der Schlacht bei
Worms von der Hand seines Nebenbuhlers Albrecht I. von
Oesterreich . Mehrere Verpfändungen der Stadt Chemnitz
fielen nacheinander vor, bis im Jahre 1320 die Dynasten
von Waldenburg die Voigtei über Chemnitz erwarben, indem
sie die Herrschaft Rabensteins erhielten, auf welcher die
Gerechtsame der Voigtei über Chemnitz gruht zu haben
gescheint.
In demselben Jahre erhielten auch die Aebte des Chemnitzer
Benediktinerklosters die Titel Archidiaconus, aber nicht
der römischen Kirche, sondern des Bisthums Meißen. Dieses
war in 10 Archidiaconate einge-theilt, die wieder ihre
besonderen Sedes (Sitze)
hatten. Chemnitz war ein solches Archidiaconat mit 4
Sedes. 1) Sedis Kempnizensis, 2) Sedis Stollberg, 3) Sedis
Waldenburg 4) Sedis Wolkenstein.
Der erste Abt mit diesem Titel hieß Ulricus und war ein
Vetter des Bichofs Wittig zu Meißen. Auch kann um diese
Zeit der Bergbau zu Chemnitz nicht unbedeutend gewesen
sein, denn die Freiberger waren im Jahre 1320 mit dem
Erbbereiten priviligiert.
Im Jahre 1322 kaufte der Abt des Chemnitzer Klosters das
Dorf Dittmannsdorf von dem von Rechenberg, und Heinrich
von Waldenburg reichte es demselben in Lehen.
In diesem Jahre war des Markgrafen zehnjähriger
Pfandbesitz zu Ende gegangen und Kaiser Ludwig verpfändete
nun das Pleißnerland nebst Chemnitz, Altenburg und Zwickau
für 10.000 Mark Silbers an Johann König von Böhmen, der
ihm hauptsächlich zur Kaiserkrone verholfen und auch
später gegen seinen Nebenbuhler, Friedrich von Oestreich,
Beistand geleistet hatte, doch kam Alles bald wieder an
den Markgrafen von Meißen zurück. Friedrichs des
Gebissenen Sohn, nehmlich Friedrich der Erste, ehelichte
des Kaisers Tochter Mathilde, da autorisirte Kaiser Ludwig
am 25. Januar 1323 Friedrich den Gebissenen, mit der
Mitgift von 10.000 Mark das Pleißner-Land und die drei
Städte Zwickau, Altenburg und Chemnitz einzulösen und als
Pfand zu behalten; dies geschah am 7. August 1324; mit
13.000 Mark löste Friedrich diese 3 Städte und das
Pleißnerland von Böhmen ein.
Im Jahre 1327 erging der Befehl, dass die wendische
Sprache bei öffentlichen Behandlungen nicht mehr gestattet
sein sollte, sondern man hierzu nur allein der deutschen
zu bedienen habe.
Im Jahre 1330 wurde das Pfarrlehen zu Glese (Glösa) dem
Chemnitzer Kloster zugeeignet. Im Jahre 1331 befahl der
Abt Ulricus dem Rathe zu Chemnitz, einen Zaun von
Pallisaden um die Stadt zu machen, die Dorfbewohner mußten
auf Befehl dieses Abtes diesen Zaun bauen helfen und in
Stand erhalten; dergleichen Dörfer als Gablenz,
Hermersdorf, Wittgensdorf, Altendorf, Neukirchen,
Burkersdorf, Altchemnitz und dergl. waren deshalb
geleitsfrei. Alle diese Dörfer sind in dem Chemnitzer
Schoß- und Marktbuch, was noch vorhanden ist, namentlich
verzeichnet; doch war damals Chemnitz längst mit einer
Ringmauer umgeben und der Pallisadenzaun muß um die
Vorstädte gegangen sein.
In diesem Jahre fing man an, den
hohen oder sogenannten Glockenthurm auf der St.
Jacobskirche zu erhöhen.
Dies barchte der Stadt Chemnitz neue
Bestätigung ansehnlicher längst genossener Privilegien von
Markgraf Friedrich dem Strengen, innerhalb einer Meile um
die Stadt durften, nur langverjährte Gerecht- same
ausgenommen, keine Verkaufsläden, keine Werkstätten von
Schustern und Schneidern, noch andere Handwerke sich
aufthun. Und um der durch Brand eingeäscherten und der
Zunahme ihrer Bewohner bedürftigen Stadt aufzuhelfen,
versprach der Markgraf all, die in Chemnitz ihren Wohnsitz
aufschlagen würden, seinen ganz besonderen Schutz in allen
Geschäften und Händeln.
Auch brach in diesem Jahre die Pest über Chemnitz herein,
die Chroniken berichten von 843 Personen, welche daran
gestorben und auf dem Johanniskirchhofe in 12 großen
Gruben begraben worden sein sollen.
Hierdurch nun hatte die Stadt die Kraft zur
Selbstvertheidigung verloren und der Abt bot die
umliegenden Dörfer zu deren Schutz auf. Auch nahm in
diesem Jahre 1334 das rothe Buch seinen Anfang, was
freilich nicht immer gehörig ausgeführt worden ist.
wurde das Dorf Rüdigersdorf, jetzt
Röhrsdorf, an´s Kloster um 50 Schock großer Pfennige
versetzt und hierdurch der Besitz des Bergklosters
erweitert.
In diesem Jahre wurde die Erhöhung
des Klosterthurmes an der St. Jacobskirche vollendet, um
den Gesammtkostenpreis von 2056 Thaler.
Dieses Jahr brachte das verpfändete
Röhrsdorf an´s Chemnitzer Kloster um den Preis von 1 Pfund
Gold und 8 Schock großer Pfennige. Auch wurde dem Kloster
ein Leibgut auf Blankenau eigen.
erhielt das Kloster wieder Zuwachs,
denn Albrecht, Burggraf zu Leisnitz, eignete dem
Bergkloster das Gut Blankenau zum Seelengeräthe, allein im
ruinierten Zustande, und Kaiser Ludwig reichte dem Kloster
fünf Dörfer Glese, Forth, Brunnen, Drägersdorf und
Heinrichsdorf in Lehen.
Im Oktober dieses Jahres starb Kaiser
Ludwig IV. und Chemnitz kam fortan zum Markgrafenthum
Meißen erb- und eigenthümlich.
berief der im Namen seiner drei
unmündigen Brüder regierende Friedrich der Strenge einen
Landtag in Leipzig zusammen, auf welchem zum Erstenmale in
der Geschichte des Markgrafenthums Meißen eine allgemeine
Steuer bewilligt wurde, um die landesherrlichen Schulden
zu tilgen.
Die Abgaben, welche Chemnitz an den neuen Landesherrn zu
entrichten hatte, bestanden in 145 Schock breiter
Groschen. In diesem Jahre erschien auch die ganz Europa
und vornehmlich Deutschland verheerende Pest, der schwarze
Tod genannt, welche ungemein viele Menschen hinwegraffte
und um derentwillen die Juden verfolgt wurden; es entstand
die Secte der Geiselbrüder, Flagellanten genannt.
wurden der Stadt von den Abgaben der
145 Schock breiter Groschen 30 Schock erlassen. Eine
Urkunde von 1349 erwähnt die älteste Feuerverordnung der
Stadt Chemnitz, aus derselben sieht man deutlich, wie zu
dieser Zeit die Bauart der Häuser beschaffen gewesen ist.
Dieselben waren äußerst gering, meißt nur von Holz erbaut,
mit Brettern verschlagen oder mit Lehm verklebt, mit
Schindeldächern und die Giebel nach der Gasse gerichtet;
in derselben finden wir zugleich die Namen von 12
Rathsherren aus diesem Jahre und zwar: 1) Hanß von Schonav,
Rathsmeister und die geschworenen Bürger, 2) Martin
Schwertfeger, 3) Johann von Dietrichsdorff, 4) Niclas von
Mittelbach, 5) Niclas Förster, 6) Ulrich von dem Furth, 7)
Conrad Cadenbrecher, 8) Peter Puschener, 9) Hieronymus
Gebuer, 10) Hieronymus von Hennichen, 11) Frentzel
Schwenkenstein, 12) Peter Tetzner.
Bis zu diesem Jahre liegt wiederum
Dunkel auf der Geschichte der Stadt Chemnitz, doch mag
sich während dem Vermögenszustand derselben sehr gehoben
haben, besonders die Leinweberei durch die groß-artigen
Bleichen, durch welche es gelang, vorzüglichere Waren zu
liefern. 1357 machte sich der Landesherr selbst zum
unmittelbaren Theilnehmer dieses einträglichen Gewerbes.
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Markgrafschaft Meißen Friedrich
II. 1323-1349. Breiter Groschen, Münzwerkstatt
Freiberg. Zwei Varianten. Friedrich III., 1349-1381
Breiter Gro-schen, |
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Begriffserklärung: Schock:
Zähleinheit = 60 Stck.; Groschen: (von lat.: grossus =
dick) oder Grossus denarius; Großsilbermünze des
Mittelalters im Wert mehrerer Pfennige; Pfennig: (Pfg.)
oder Denarius, abk. Denar, seit dem 8. Jahrhundert die
deutsche Hauptwährungsmünze. Im 8.-16. Jh. in Silber
geprägt; ursprüngliches Gewicht 1,5 g, seit dem 12.
Jh. unterschiedliches Gewicht (0,3-1,5 g). Seit dem
16.Jh. sank er zur Scheidemünze herab und wurde immer
häufiger in Kupfer geprägt. Die Begriffe ”großer
Pfennig” oder “breiter Groschen” könnte evtl. mit der
Form und dem Gewicht der jeweiligen Münzen in
Verbindung gebracht werden. Textliche Überlieferungen
konnten wir diesbezüglich keine finden. (d. Red.) |
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An dieser Stelle möchten
wir die Historie von Chemnitz kurz unterbrechen, um
etwas näher auf die Zahlungsmittel sowie die
wirtschaftliche Situation des Ritterstandes um das
Jahr 1200 einzugehen: |
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Um die Kaufkraft gegenüber heute
zu verdeutlichen, hier ein paar Beispiele:
1 Kuh kostete im 11. Jh. zwischen 100 und 137
Groschen, heute würde sie 2500 € und mehr kosten. Eine
Sklavin kostete damals 204 Groschen, heute würde man
dafür 5200 €, für einen Sklaven sogar 7800 € bezahlen
müssen, der damals 306 Groschen kostete.
Ein Ritter musste für ein Schlachtross zwischen 5000 -
8000 Groschen berappen, heute käme es ab 70000 €.
Um einmal eine Vorstellung zu bekommen, hier einmal
eine Auflistung, was ein Ritter, der auf den 3.
Kreuzzug (1189-1192, wurde von Philipp II. von
Frankreich, Richard I. von England und Friedrich I. -
Barbarossa angeführt, um Jerusalem zurück zu
erobern)für ging und gut ausgestattet war, an Vermögen
mit sich führte: (Kaufkraft in Euro heute):
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Schwert mit Scheide |
7600 € |
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Schild mit Lanze |
3500 € |
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Gamaschen etc. |
12000 € |
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Helm |
11000 € |
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Kettenhemd |
21000 € |
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Brünne (Brustpanzer) |
24000 € |
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3 Pferde |
72000 € |
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1 Schlachtross |
70000 € |
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Summe: |
320000 € |
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Nachweis eines Vermögens von
3 Mark
(rund 1500g Silber) |
45000 € |
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Summe: |
rund 365000 € |
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Man kann also von zwei Dingen
ausgehen, dass bei weitem nicht jeder Ritter so
ausgestattet war! Vielen Rittern blieb es auf Grund
Ihrer Vermögenssituation versagt an diesen Kreuzzügen
teilzunehmen. Es war vermutlich auch eine soziale
Maßnahme von Friedrich I., denn für viele Ritter der
ersten beiden Kreuzzüge bedeutete die Teilnahme den
wirtschaftlichen Ruin. Es ist überliefert, dass Männer
die Schwertleite ablehnten, da sie es sich nicht
leisten konnten, in den Ritterstand erhoben zu werden.
Venedig war das Sprungbrett für viele Kreuzfahrer.
Venedig war zwar eine recht kleine Republik, verfügte
aber über eine nicht unerhebliche Handelsflotte.
Allerdings waren die Venezianer Kaufleute, zuerst
Kaufleute, dann Christen. Allen voran der damalige
Doge Dandolo. In stolzem Alter von 94 Jahren stand der
Mann immer noch dem Rat vor, als die Kreuzfahrer
Überfahrt und Verpflegung für Ihr Heer von Venedig
erbaten. Nach langem hin und her erklärten sich die
Venizianer bereit, den Transport und die Verpflegung
für das Heer der Kreuzfahrer zur Verfügung zu stellen.
Berichten nach zu folgenden Konditionen: Für jedes
Pferd 4,00 Mark (für 4500 Pferde) Für jeden Mann 2,00
Mark (4500 Ritter, 9000 Knappen, 20.000 Fußsoldaten)
Summe 85.000 Mark Silber.
Der Preis beinhaltete die Überfahrten und Versorgung
für zwei Jahre. Die Zahlenangaben beziehen sich auf
das, was die Venizianer zu Leisten bereit und in der
Lage waren. Dies waren nicht unbedingt die
Teilnehmerzahlen. Überliefert ist auch, das nach dem
man alles an Werten und Vermögen zusammen geworfen
hatte, um den Preis zu ereichen, 37.000 Mark Silber
fehlten!
Nachfolgend ein Abbildungen der damaligen
Zahlungsmittel. Es sind auf den Fotos Pfennige (Denar)
sowie Groschen aus dem 13. und 14. Jahrhundert
abgebildet:
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Silber- & Kupfergroschen |
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Pfennige (Denare) aus Silber &
Kupfer |
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Foto: Wikipedia |
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Meißen, bischöfliche Münzstätte -
Münzstätte Meißen, Albrecht III. von Meißen 1299-1312.
(Silberpfennig) |
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Foto: coinarchives.com |
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Über die Historie von Chemnitz können sie auch in unseren
Print-Ausgaben, ab Mai 2007 nachlesen.
Sollten Sie einmal kein Exemplar erhalten haben, so senden
wir Ihnen gern eins zu oder Sie besuchen uns in der
Redaktion, wo wir Ihnen das oder die fehlenden Exemplare
übergeben und anstehende Fragen beantworten können. |
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Redaktion Kaßberg-Anzeiger
Waldenburger Straße 63
09116 Chemnitz
Tel.: 0371 / 38 19 90 59 |
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Artikel der Ausgabe Januar 2008: |
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Die Chemnitzer ließen sich nehmlich
gegen einen Erlaß von 15 Schocken der jährlichen Abgaben
die Hutweide an beiden Seiten der Chemnitz von der
sogenannten hohen Brücke bis zur Neumühle zu einer Bleiche
abtreten, so daß die Stadt nur noch 100 Schock jährlich zu
bezahlen hatte, so lange als dieser Zaun zu einer
landesherrlichen Bleiche diesen würde, ginge aber die
Bleiche wieder ein, so sollte die Stadt die erlassenen 15
Schock wieder zu entrichten haben, der Bleichraum aber
wieder an die Stadt zurückfallen.
In diesem Jahre stiftete Albrecht
Dietrichsdorf ein Seelbad allhier auf der so genannten
Hoferweite. (Das Baden war damals mehr Sitte, als jetzt).
Wie nun die Geistlichkeit Alles in ihren Bereich zu ziehen
wußte, so stellte sie auch den Glaubenssatz auf, daß zu
Ehren Gottes und aller Heiligen, sowie zum Heil der
eigenen Seele öffentliche Bäder für die Armen errichtet
werden können, in welchen sich letztere, als unfähig zur
Bezahlung des gewöhnlichen Preises, wöchentlich ein- oder
mehrere male unentgeldlich baden möchten. Dies nun nannte
man Seelenbäder, d. h. zum Heil der eigenen Seele für Arme
errichtete Badeanstalten. Gewöhnlich waren diese
Seelenbäder mit Geschenken von Lebensmitteln, als Brod,
Bier und dergleichen verbunden.
In diesem Jahre erhielt Chemnitz ein
Statut wegen Steigerung und Verringerung des Geschosses je
nach der Kaufsumme eines Hauses. Es mußten nämlich
herabgekommene Häuser eben so viel Geschoss geben als da,
wo sie noch in gutem Zustande waren. Dieses Statut betraf
auch das Erbe der Frauen vom Eigenthum des Mannes. Es
werde nehmlich den Wittwen ein Drittheil von der Männer
Hinterlassenschaft zugesagt.
Vom Jahre 1352 wird zum Erstenmale des Hospitals zum
heiligen Geist und zum fernen Siechen Erwähnung gethan.
Seine ursprüngliche Bestimmung war die Aufnahme kranker
aus dem gelobten Lande oder nach anderen heiligen Orten
ziehender Pilger - der fernen Siechen - die hier Pflege
fanden. Wann aber und von wem es gegründet worden, mag
ebenso wie beim St. Georgenhospital nicht mehr
nachgewiesen werden können. So viel ergiebt sich aber von
selbst, daß es ein sehr altes Werk sein muß und
wahrscheinlich aus den Zeiten der Kreuzzüge stammt.
stiftete der Ratsherr Schulze einen
Altar in der Stadtkirche und gab dazu das halbe Dorf
Altmittweida.
Die Anmaßungen der Aebte gegen die
Stadt Chemnitz führten im Jahre 1368 zu dem Entschlusse,
die Sache von den Räthen der drei Städte Altenburg,
Zwickau und Freiberg entscheiden zu lassen. Es handelte
sich nehmlich um die Gerechtsame der Stadt Chemnitz, daß
innerhalb einer Meile im Umkreise keine Handwerker und
keine (Kretschams) Wirtshäuser sein sollten.
Der Abt des Klosters wollte Chemnitz dieses wohlverdiente
Recht streitig machen und in den Klosterdörfern, die im
Bereich dieser Bannmeile lagen, Handwerker, Schenken und
drgl. aufnehmen und errichten. Im Jahre 1368 gaben denn
obgenannte drei Räthe einen Bescheid in der Sache: „Es
dürfte eine Meile um die Stadt kein Handwerksmann und kein
Kretscham sein, ausgenommen die sechs Kretschams, über
welche Abt Ullrich mit dem Chemnitzer Rath sich vereinigt.
Indeß sollen diese sechs weder malzen noch brauen, nur dem
zu Burkersdorf sollte erlaubt sein, so viel zu brauen, als
er selbst mit dem Maaß in seinem Haus verschenke.”
Dieses Jahr war von großer Bedeutung
für Chemnitz. Die drei landesherrlichen Brüder, Friedrich
der Gestrenge, Balthsar und Wilhelm I. theilten um der
Kinder Willen die Regierung ihrer Erblande unter sich,
ohne dass jedoch die gemeinschaftliche Landeshohheit
aufhörte. Chemnitz fiel an Wilhelm I., welcher Meißen zu
seinem Antheil erhielt und in Dresden seine Residenz
aufschlug, während Friedrich das Osterland hatte mit
Leipzig als Residenz und Balthasar Thüringen, der sein
Hoflager auf der Wartburg aufschlug. Wilhelm I. ließ die
Mauern der Stadt Chemnitz verstärken, indem er zu der
gewöhnlichen Ringmauer eine zweite äußere oder Zwingmauer
und vier gemauerte Thore anstatt der vorher vielleicht nur
verpallisadierten bauen ließ, denn die Erfindung des
Schießpulvers machte auch stärkere Befestigungen nötig.
Im Jahre 1378 kaufte das Kloster den dritten und letzten
Theil der Gerichte Blankenau.
Die Periode der Stadt Chemnitz unter der gemeinsamen
Regierung der Brüder Friedrich, Balthasar, Wilhelm und
Georg stellt sich als eine sehr günstige dar;
Leinenweberei und Bleicherei erhoben sich mehr und mehr
und brachten der Stadt großen Reichthum. Das Kloster
gelangte zum höchsten Gipfel seiner Macht. |
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1388 |
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Das Chemnitzer Kloster wurde von
etlichen des Adels, unter denen Heinrich von Witzleben,
zweien von Schönfeld nebst einigen von Zwickau und Oederan
überfallen und die Kirche geplündert. Diese Frevler wurden
sämmtlich in den Bann gethan und mußten beim heiligen
Vater in Rom Vergebung ihrer Sünden einholen und zwar vom
Papst Urban VI. Die Angabe, daß bei dieser That Chemnitzer
sich beteiligt hätten, ist falsch.
Ein großes Unglück traf Chemnitz im Jahre 1389, wo es am
Feste Donati (im August) gänzlich ein Raub der Flammen
wurde.
Alle öffentlichen Gebäude, das Rathaus, die St.
Jacobs-kirche, der Glockenthurm gingen zu Grunde, auch das
wunderthätige Marienbild.
Um der unglücklichen Stadt etwas wieder aufzuhelfen, gab
im folgenden Jahre der Bichoff zu Meißen eine Beisteuer
zum Wiederaufbau und der Markgraf von Meißen, Wilhelm,
nebst seinen fürstlichen Verwandten erließen der Stadt auf
sieben Jahre die Steuern und konfirmierten das Privilegium
für Bleiche und Leineweberei. Hierzu kam noch das
Privilegium des alleinigen Salzverkaufs, ausgestellt von
Markgraf Wilhelm.
Die Leineweberei erhielt einen ungemeinen Aufschwung,
wurde zu den zünftigen Gewerben erhoben und die Producte
derselben den Söhnen Abrahams aus den Händen gewunden.
Dass Chemnitz wiederum und zwar im Jahre 1395 am Tage
Petri Paul gänzlich abgebrannt sei, wird von glaubhaften
Chronikschreibern als unwahr erklärt. |
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1395 |
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kommt zum Erstenmale die St.
Georgenkirche vor; sie be-findet sich im Kirchspiel zu St.
Johannis und ist an das Männerhospital angebaut.
Am Ende des 14. Jahrhunderts befand sich Chemnitz in
außerordentlicher Blüthe, auch alle öffentlichen Zustände
hoben sich, an der Spitze stehen 24 Rathsherren mit zwei
Bürgermeistern. Diese Behörde ist in zwei Hälften
geschieden, welche ein Jahr ums andere zur Amtierung
gelangen. Die Stadt vergrößerte sich immer mehr und mehr,
viele Menschen zogen von den Dörfern herein und Vorstädte
entstanden und vergrößerten sich; das Bramenholz, von
jetzt an Zeisigwald, wegen der Menge von Zeisigen so
benannt, reichte bis dahin, wo jetzt der Anger ist, wurde
aber immer weiter abgetrieben. Obgleich nun aber von dem
Zuströmen der Menschen die Stadt sehr bevölkert wurde, so
geschah dies noch meistens nur in den Vorstädten, indem
die größere Freiheit außer den Ringmauern vorgezogen
wurde, weshalb denn der Stad-trath den Beschluss faßte,
nur denjenigen das Bürgerecht zu ertheilen, welche in die
innere Stadt zogen, Beweis genug, daß es nach dem
bedeutenden Brande innerhalb der Ringmauern an Einwohnern
fehlte. |
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1401 |
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kam Rath und Bürgerschaft mit
einander dahin überein, daß niemand bei einer Hochzeit
oder sonstigen öffentlichen Ausrichtungen mehr als drei
Gerichte für die nächsten Freunde geben solle. |
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1404 |
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In diesem Jahre wurden auf Kosten der
Stadt beim Bramenholze (Kaiserforst, Zeisigwald) die drei
Herren- teiche angelegt, man benutzte dazu einen Sumpf,
den der Holzbach daselbst bildete und der nun auch die
Herrenteiche speiste und welcher durch seine
Versteinerungen berühmt geworden ist. Diese Teiche wurden
wechselweise jährlich gefischt und der Ertrag ging meist
in Deputaten auf, denn der regierende Bürgermeister
erhielt 50 Stück Karpfen, der zweite Bürgermeister 40
Stück, der Rathsbauherr 40 Stück, der Stadtrichter 24
Stück, jeder Rathsherr und der Rathsphysikus 20 Stück,
jede Rathsherrenwittwe 5 bis 6 Stück, jeder Priester in
der Stadt 10 Stück, in der Vorstadt 5 bis 6 Stück, jeder
Schuldiener 3 bis 5 Stück, jeder Kirchenvorsteher,
Viertelsmeister, Rathsdiener, Röhrmeister und dergl. 2 bis
3 Stück. Was übrig blieb, kam zum Verkauf.
Die Pflege der Fischerei und das Anlegen von Teichen war
Folge des Katholizismus, indem einen großen Theil des
Jahres hindurch keinerlei Fleischspeise genossen werden
durfte. |
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1406 |
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wüthete die Pest wiederum im ganzen
Gebirge, so auch in Chemnitz und raffte viele Opfer dahin. |
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1407 |
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Am 10 Februar starb der letzte der
drei Brüder, Wilhelm I. unter dessen Regiment Chemnitz
stand. Da keine directen Erben da waren, so entstanden
unter den drei jungen Fürsten Friedrich dem Streitbaren
und Wilhelm II., Friedrich dem Strengen und Friedrich dem
Friedfertigen, Landgraf von Thüringen über die Theilung
der Meißnerischen Lande Zwistigkeiten. |
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1408 |
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trat der Benedictiner-Orden zu Erfurt
mit dem Benedictiner-Kloster bei Chemnitz in Verbindung.
Auch ge-schieht in diesem Jahre zuerst die Erwähnung
unserer Nikolaikirche, über deren Erbauung jedoch, sowie
darüber, ob dieselbe früher an einem anderen Platze
gestanden habe, alle gewisse Nachrichten mangeln. |
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1410 |
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wurde am 31. Juli zu Naumburg der
Streit wegen Theilung des Markgrafenthums Meißen
beigelegt. Friedrich von Thüringen der Jüngere, auch der
Einfältige genannt, erhielt die Städte Dresden, Hayn,
Ortrand, Königstein, Zwickau und die Hälfte des Einkommens
der Bergwerke. Chemnitz kam mit vielen Städten an
Friedrich den Streitbaren und Wilhelm II.
Im August dieses Jahres riß vor dem Klosterthor der
Sturmwind vier Häuser um. |
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1411 |
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kam bei einer nochmaligen
Separat-Landestheilung Chemnitz an Friedrich. Das folgende
Jahr verlieh dieser Friedrich der Stadt Chemnitz einen
freien Markt, den sogenannten kalten Jahrmarkt. Die
Urkunde darüber lautet folgendermaßen:
„Wir Friedrich x.x. bekannen vnd tun kunt uffentlichen mit
diesem Briefe vor was vnd unsre erben, vor allen denen,
die yn sehen, odir horen lesen, das vor vns kommen sint
die Erßamen, Mißen vnsere lieben getreuen Burgermeister,
Rad und gemeyne vunßre Stad Kempnitz, vnd haben vns mit
Fliße gebeten, yn eynen ierlchen Jarmarkt ztu geben und
ztubesteigen, durch ire fisyge Bete,vnde yn eynen freien
Jarmarkt gegeben vnd bestetigt haben, der sich alle Jar
uff den ersten Sonntag nach allerheiligen Tage anheben vnd
8 Tage, die nechst nach eynander volgen, weren sol, und
geben vnd bestetigenyn auch denselben Jarmarkt, als eynes
firenJarmarktes recht vnde Gewohnheit ist, mit Krafft
dieses Briefes, vnd wollen auch, daß damit der abloßenden
Markt, den sie ver jerlich uff sente Jacobsetage haben
nicht abgetan yen, noch widerruffen, sundernals daß
vonherkommen bleiben, vnd des ztu Urkunde haben wir unser
Insiegel wissentlichen, an diesen uffnen Brief lassen
hengen, der gegeben ist zu Liptzk, nach Christi Geburt
vierzehn hundert Jar, darnach in den ztwölfften Jare am
Freitage nach Philippi vnd Jacobi der heiligen ztölff
Boten.”
Auch confirmierte der Bichof Rudolph zu Meißen den
Altardes Laichnams Christi in der St. Jacobskirche.
Zwischen Rath und den Handwerksinnungen waren bedeutende
Zerwürfnisse entstanden, indem letztere ohne Rath
eigenmächtige Einrichtungen getroffen hatten; diese
Zerwürfnisse wurden von Friedrich geordnet. Die Misbräuche
bei Zahlung der Meisterwerdungsgebühren hob er dadurch,
daß nicht mehr als „czwei pfund wachsis czu den kerczen
desselben Handwerkes” gegeben werden durfte, und um die
gefährliche Vereinzelung der bürgerlichen Kraft zu hemmen,
befahl er die Errichtung von vier Bannern, unter welchen
sich die gesammte Bürgerschaft versammeln mußte, sei zum
Dienste des Landesherren oder in eignen Angelegenheiten.
Zur Führung eines jeden Banners werden in jedem Viertel
Zwei, Einer aus dem Rathe und Einer aus der Gemeinde
gewählt. Auch dadurch, daß der Rath in zwei Hälften
geschieden war, hatten sich Uneinigkeiten erzeugt.
Friedrich verordnete daher, dass von nun an drei
Bürgermeister und drei Räthe sein sollten, die jedesmal
der alte Rath zu wählen hatte und der Landesherr zu
bestätigen habe. Auch sollten Viere aus der Gemeinde im
Rathe sitzen, und stets zwei Mitglieder des abgehenden im
neu antretenden Rathe bleiben, zur Unterstützung des
Letzteren hinsichtlich der Kenntnis des Geschäftsganges.
Auch wurden alle Ausnahmen von Entrichtung des Geschosses
aufgehoben, und der Rath mußte die Einnahme von Mann zu
Mann berechnen.
Auch entstand in diesem Jahre eine große Theuerung, welche
8 Jahre währte; viele Menschen lebten von gemahlenen
Eicheln und Tausende starben vor Hunger; zum Überfluß kam
noch ein sehr strenger Winter hinzu. |
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1415 |
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Im nächstfolgenden Jahre 1415 fiel
wiederum eine Theilung der Länder auf 12 Jahre zwischen
dem Streitbaren und Wilhelm II. vor; auch erzählt ein
Chronikschreiber: es wären in diesem Jahre die Mauerthürme
von Nicolai- nach dem Klosterthore hin erbaut worden und
stützt diese Behauptung auf eine Legende aus diesem Jahre,
nach welcher eine Jungfrau aus vornehmen Geschlecht, mit
Namen Hofmannin, zur Milderung ihrer Strafe wegen
unnatürlichen Umgangs mit einem Hunde, und um nicht
lebendig verbrannt zu werden, die fünf Thürmen zwischen
der Klosterpforte und dem Nicolaithor habe erbauen lassen.
Zum Andenken sei noch der steinerne Kopf an der
Klosterpforte. Auch behaupten Einige, es sei dieser Kopf
das sogenannte Wahrzeichen von Chemnitz gewesen. Vor dem
siebzehnten Jahrhundert hatte jede Stadt ein sogenanntes
Wahrzeichen, welches die reisenden Handwerker kennen
mußten, um bei ihren Zunftgenossen ihren Aufenthalt an
einem solchen Orte beweisen zu können. |
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1416 |
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Das nächste Jahr 1416 giebt uns die
erste Nachricht von dem Dasein der Calande-Brüderschaft in
Chemnitz. Den Ursprung dieser Brüderschaft kennt man
nicht; sie hatte ihren Namen von a calendis, d.h., vom
ersten Tage des Monats nach altröm. Kalender. An diesem
Tage hielt man regelmäßige Versammlungen. Geistliche und
weltliche Personen nahmen Antheil. Der Zweck dieser
Brüderschaft war: Stiftung von Seelenmessen für angehörige
Ver-storbene, Erhaltung des Kirchenvermögens, Austheilung
von Almosen, Krankenpflege und Anordnung der Feste und
Gedächtnißtage für jeden Monat; sie gaben daher jeden
Monat einen Civil-, Kirchen- und Wrthschaftskalender
heraus. Diese Calande-Brüderschaften waren über ganz
Deutschland verbreitet. An der Spitze standen zwei Pröbste;
sie hatten ihre Altarvorsteher, Schiedsleute und
Rechnungsführer. Die Versammlungen wurden mit einem
Schmause beschlossen, welche oft zu den üppigsten Orgien
wurden und die Sache in Mißcredit brachten. Deren Geräthe
und Schmucksachen wurden gegen Zins zum Gebrauch bei
Hochzeiten, Kindtaufen und drgl. geliehen. Ihr
gemeinschaftliches Siegel war eine aus einem Aermel
hervorgestreckte Hand mit einem Herz, aus welchem sich ein
Kreuz erhebt und oben darüber eine gezackte Decke. |
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